26’0’THERIVER

THE RIVER

Gernsheim am Rhein

Dieses Ufer strahlt für mich seit meiner Kindheit eine von mir als solche wahrgenommene herausragende Einfachheit aus. Diese zu erlangen ist erfahrungsgemäß vielfach nur an besonderen Orten und unter besonderen Umständen möglich.

Hier an diesem Ufer mit diesem Hafen mit dem sich flussabwärts in den Strom hinein streckenden Fähranleger, mit dem über Jahrzehnte eine besondere Form der Currywurst und des abgepackten Eissortiments zur Verfügung stellenden Kiosks, den vermutlich in meiner Kindheit gepflanzten und nun zu unglaublich schönen und schattenspendenden Zeugen eines Verlaufs gewordenen Platanen bis hin zu Hafenspitze, dem Stützpunkt der mit dem sonoren Klang ihrer schweren Boote patrouillierenden Wasserschutzpolizei, den vielen Gesichtern, die sich an diesem Ort einfinden und ihm letztendlich über alle unvergleichlichen Attribute dieses Orts hinaus ein einzig wahres Gesicht geben.

Selbst der nicht lange zurückliegende und wie alle Maßnahmen dieser Art in einem gewachsenen Bestand mit der Gefahr behaftete Eingriff in Form der Neugestaltung konnte den unnachgiebig strömenden Atem nicht wesentlich ablenken oder in einer Form der Mutation übernehmen, die entgegen eines Nichtmehrwiedererkennens noch mehr Leben einziehen ließ.

Diese Kontinuität ist in den kleinen Details der sich offensichtlich vermutet unveränderten Bilder finden.

Es sind die kleinen Bewegungen, die Reflexe und Spiegelungen, die minimale Lageänderung des grünen Ladekrans, ein fahrendes Schiff, ein ausfahrendes, ein Geschrei, ein Kind, ein Betrunkener, dann ein erneuter Sonnenuntergang, strömender Regen, die Menschenleere im November. Bilder sind zeitliche Aufnahmen. Sie ermöglichen eine Teilhabe.

Der Künstler seine und damit im besten Fall eine neue Sicht zur Verfügung.

Des Alltäglichen.

Eines einfachen Ufers.

https://www.instagram.com/reel/DbYgggiK6TV/?igsh=MXZxZDdjZzVndThwdg==